Dienstag, 21 Mai 2019

Die Weiterführung der Arbeit über die Laufbahn des Weltkapitalismus - Teil 1

Der vorliegende Text ist ein Konzept für eine umfassendere Arbeit, die in den nächsten Monaten entwickelt werden muss... und die schon viele Seiten unserer Zeitung gefüllt hat. Dieses Papier behandelt einen Zeitraum vom Ende des 2. Weltkrieges bis in unsere Tage. In den nächsten Monaten, ausgehend von den ökonomischen und sozialen Wechselfällen der wichtigsten Länder der Welt und dem sich gegenseitigen Beeinflussen, werden wir zeigen, wie sie in einer unübertroffenen Art und Weise durch den Marxismus erklärt werden können und wie auch die Rückschlüsse, die hieraus folgen, durch die realen Tatsachen nicht geleugnet werden können.

Erster Teil: Dynamiken des Imperialismus in der Nachkriegszeit nach 1945

Der Krieg ist zu Ende

Mit dem Ablauf des 2. Weltkrieges (1945) findet sich die Welt wieder, dominiert durch einen neuen imperialistischen Chef, die USA. Mit ihrem Eintritt in den Krieg, hatte der Konflikt eine erbarmungslose Richtung eingeschlagen, und die Machtdemonstration des amerikanischen Produktionsapparates war in unmissverständlicher Weise nicht nur ihren direkten Konkurrenten sondern auch ihren Alliierten haushoch überlegen. Es reicht zu bedenken, dass während des gesamten Konfliktes, Deutschland 93.000 Kriegsflugzeuge, England 145.000 und die USA 300.000 produziert hatte. Daraus entspringt, dass wir dies unmittelbar als „Imperialismus der Flugzeugträger“ bezeichnet haben.

Mit 60 Millionen Toten und tiefgreifenden Verwüstungen hatte der Krieg die Überproduktionskrise der 20er und 30er Jahre des 20. Jahrhunderts beendet. Aber der zerstörerische Aspekt ist nicht in der Lage, alleinig, die Langlebigkeit der kapitalistischen Produktionsweise zu rechtfertigen, die noch heute die gesamte Welt dominiert, 70 Jahre nach Ende des 2. Weltkrieges. Wir müssen deshalb die Realität erkunden und jene Gegentendenzen des tendenziellen Falls der durchschnittlichen Profitrate zum Vorschein bringen, die in einer wechselseitigen und komplexen Weise stimulierend gewirkt haben und weiterhin wirken und somit die Existenz dieser Produktionsweise verlängern.

Die Wiederaufrüstung und dann der Wiederaufbau haben für das weltweite kapitalistische System eine echte und neue Morgendämmerung dargestellt. Die Präsenz eines potenten, dominanten Imperialismus (USA) und eines ausreichend bedeutsamen Gegenspielers (Russland) begründete das fruchtbarste Terrain für die Expansion des Kapitalismus. Außerdem begründete Russland den „großen Betrug“, der, unter dem täuschenden Gewand eines „sozialistischen Staates“, eine beeindruckende Reihe von falschen Ideologien, falschen Positionen, falschen Zielen in den Körper der weltweiten proletarischen Klasse eingeimpft hat. Auf Grundlage dieser expansiven strukturellen und überstrukturellen Basis, gut unterstützt durch eine erbarmungslose ideologische Konterrevolution, wurde die Arbeiterklasse umorientiert und in den Tunnel der Akzeptierung der eigenen „Sklaverei“ gedrückt, eine Bedingung in der sie noch immer ruht.

Die expansive Phase des Kapitals hatte eine dreißigjährige Dauer und ist dann von neuem in eine Überproduktionskrise geraten. Wir zeigen deshalb, in groben Zügen, was die Gründe für eine so lange expansive Phase gewesen sind: sowohl unter dem produktiven als auch dem Handels-, Finanz und auch dem landwirtschaftlichen Gesichtspunkt war die Nachkriegszeit von bemerkenswerten Neuerungen und Entwicklungen begleitet.

Die produktiven Aspekte

Die Situation, die sich uns unmittelbar nach dem Ende des Krieges präsentiert hat, ist gut bekannt: ehemals große industrielle Gebiete (jene des klassischen europäischen Kapitalismus, aber nicht nur) waren zerstört oder in desaströsem Zustand; Russland, Deutschland, Italien, Frankreich, Japan mit riesigen Schäden am eigenen produktiven Apparat mit einem Produktionsniveau in der Verarbeitung von weit unterhalb des Niveaus, welches in den folgenden 70 Jahren kapitalistischen Wachstums erreicht wurde.

Die Masse des konstanten, produktiven Kapitals hatte sich stark reduziert und mit ihr reduzierte sich die Masse der Ware Arbeitskraft: der zweite Weltkrieg stellte die erste grundsätzliche Erfahrung der Einbeziehung und Massakrierung von enormen Massen von Zivilisten dar: in der großen Mehrheit von Proletariern. Auf diesem substanziellen produktiven „Nullpunkt“, konnte sich ein hundertster expansiver Zyklus stützen: die Maschine war zur Abfahrt bereit, und startete mit großem Getöse!

Wichtige Neuheiten haben zu der expansiven Phase beigetragen, auch diese haben als Gegentendenzen zum tendenziellen Fall der durchschnittlichen Profitrate fungiert. Im Besonderen entpuppten sich einige Technologien als fundamental, die in der kriegerischen Anstrengung entwickelt wurden. Diese produktiven Neuheiten wirkten über zwei fundamentale Aspekte der kapitalistischen Produktion: auf der einen Seite haben sie fortlaufend den Wert der Produktionsmittel und des konstanten Kapitals im Allgemeinen verringert; auf der anderen hatten sich dank dieser neue industrielle Prozesse entwickelt, die die Produktivität des gesamten Systems stark erhöhten und auch dazu beitragen haben, den Wert der Unterhaltsmittel der Arbeiterklasse zu verringern.

Einige Beispiele:

Die endgültige Ersetzung von Kohle durch Erdöl als hauptsächliche Energiequelle; die Verbreitung von Kunststoffen (Plastik), die fortlaufend die Stoffe ersetzt haben, die davor im Allgemeinen teurer waren wie Metalle und Holz (die gesamte Chemie machte große Sprünge nach vorne); die neuen Technologien, die an der Montagekette angewendet wurden; die Innovationen in der Agrikultur und der Biochemie, die nicht nur neue Maschinen anstelle des menschlichen Arms eingeführt hatten, sondern direkt auf die Kultivierung einwirkten, durch die Selektion von neuen Pflanzen, die in der Lage waren, die Produktivität des Feldes zu verdoppeln oder zu verdreifachen oder auf Ländereien kultiviert zu werden, die vorher nicht genutzt werden konnten aufgrund der Umweltbedingungen und des inneren Stoffwechsels; die Innovationen im Bereich des Transportes; die regelrechte Revolution der Telekommunikation, und noch vorher der Elektronik, mit der Entdeckung und der massenhaften Benutzung der Halbleiter, der Anfang der Informatik; die Explosion der Luxusgüter, welche die produzierten Waren weit diversifiziert haben und so eine Diversifizierung von Investitionssektoren ermöglicht haben für das enorme Kapital, das in diesen Jahren das Phänomen der Entpersonalisierung des Eigentums fortsetzte, typisch für die imperialistische Phase: es verschwindet immer mehr das persönliche Eigentum (der ideologische Mythos des inhabergeführten Unternehmens) um den Aktiengesellschaften und all diesen Eigentumsformen, mehr oder weniger staatlich oder mit staatlicher Beteiligung, größeren Raum zu geben. Auf diesem Gebiet wird in der bürgerlichen Propaganda auch eine ideologische Partie gespielt: das staatliche oder verstaatlichte Eigentum oder letztlich eine staatliche Beteiligung wird als „Sozialismus“ ausgegeben, während die klassische Struktur der Aktiengesellschaften als „Liberalismus“ ausgegeben wird...

In anderen Worten, das Kapital hat demonstriert, in der Lage zu sein, sich der wissenschaftlichen Entdeckungen nicht nur zu bedienen, wie dies schon in der Vergangenheit passiert ist, sondern, mit massiven Investitionen (gewiss öffentlichen, aber auch privaten), selber der Förderer und erste Nutznießer von einer langen Serie von technologischen und wissenschaftlichen Entdeckungen zu werden, in der Lage den Wert der Produktionsmittel zu verringern, und so als Gegentendenz zum Fall der Profitrate zu wirken. Das soll heißen, dass der Wiederaufbau und die expansive Nachkriegs-Phase nicht auf einer produktiven Basis ähnlich oder vergleichbar zur Vorkriegs-Phase stattfanden, sondern auf einem Terrain von großen technologischen Innovationen.

Zu diesem Prozess, wir nennen in endogen, in den älteren, schon kapitalistischen Ländern, ist es notwendig, auch die exogenen Dynamiken hinzuzufügen. Die Verlagerung des Herzens des kapitalistischen Systems vom europäischen Kontinent zum amerikanischen brachte den alten „Eroberer“ Imperialismus endgültig in die Krise. Hand in Hand mit der Expansion des klassischen Kapitalismus und wirklich als natürliche Antwort des gesamten weltweiten Systems beschleunigte und beendete der Kapitalismus in den folgenden 30 Jahren die Durchdringung als dominantes produktives System in allen Ländern der Welt. Am Ende des 2. Weltkrieges behielten die europäischen Staaten (natürlich exklusiv der besiegten) ihre koloniale Macht von vor dem Krieg quasi noch intakt. Aber diese Situation erwies sich als ungewiss: tatsächlich, seit dem folgenden Tag nach dem Krieg, entflammte eine eindrucksvolle Serie von nationalen Befreiungskriegen die afrikanischen und asiatischen Kontinente. Der Prozess der nationalen Formierung der kolonialisierten Völker, Kind der unumgänglichen Notwendigkeit der Expansion des kapitalistischen Systems in die Welt, nahm Formen an und folgte historischen Wechselfällen, die auf ihre Weise von den besonderen Bedingungen von jedem geopolitischem Gebiet produziert wurden, und zeichneten so die komplexen Ereignisse und die historischen Geflechte, die bis zum Ende der 70er Jahre aufeinanderfolgten. Vom produktiven Gesichtspunkt haben sich die Resultate von dieser Expansion multipliziert.

Wir zählen hier einige auf:

Wachstum der proletarischen Population mit der Enteignung immenser Massen von weiteren Bauern; Schaffung von neuen produktiven Bereichen mit Profitraten aus der ursprünglichen Akkumulation; Eröffnung von neuen Märkten, auf denen die eigene Überproduktion ausgekippt werden konnte; kontinuierliche und fortschreitende Teilung der internationalen Arbeit mit relativer Verstärkung der Produktivität dank der Spezialisierung; neue „Protagonisten“, die die Wettbewerbsrate erhöhten und folglich den Druck zur kontinuierlichen Notwendigkeit der Revolutionierung der Produktionssysteme, um auf einem immer größeren und globaleren Markt zu konkurrieren. Und so weiter.

Zum Schluss konnte der Kapitalismus, in diesen ersten 30 Nachkriegsjahren auf Grundlage der Absenkung des Wertes des konstanten Kapitals agieren (aber auch des variablen Kapitals), durch die Innovationen. Indem er dies gemacht hatte, arbeitete er konstant sowohl im Sinne der Erhöhung des absoluten Mehrwertes als auch der Erhöhung des relativen Mehrwertes: deshalb eine Erhöhung der totalen Profitmasse, aber auch von den Teilen des neuen Wertes, der an sich produziert wurde, zum Nachteil von dem, was dem Proletariat gelassen wurde. Dies erlaubte es dem Kapital, den Fall der Profitrate stark abzubremsen: aber sicherlich nicht das Problem zu eliminieren. Wie Marx uns erklärt, stellen die selben Triebkräfte, die den Kapitalismus befördern, die Bedingungen für seine zyklischen Krisen dar.

Finanzielle und kommerzielle (Handels-) Aspekte

Bevor wir in der Mitte der 70er ankommen (die, wie wir gut wissen, eine neue Krise verzeichneten), ist es notwendig, auch die Handels- und Finanzaspekte dieser Periode zu betrachten. Zum Ende des Krieges gab es auch vom Finanz- und Handelsaspekt aus gesehen eine Art von Nullstellung der vorhergehenden Situation. Die grundsätzlichen Aspekte waren insbesondere die Einführung einer neuen Währung im System des internationalen Austausches und ihre fortlaufende Dematerialisierung. Gleichzeitig dazu gab es die fortlaufende Privatisierung des gesamten weltweiten Banksystems und vor allem der Institute, die Geld herausgeben. In anderen Worten: das System setzte neue Kniffe in die Praxis um, um die Kosten der Zirkulation der Kapitale zu reduzieren – ein Fakt, der schon an sich dazu beitrug, die Gegentendenzen zu stimulieren, welche schon auf der produktiven Ebene wirkten.

Der erste Schritt wurde durch den einzigen Gewinner des Krieges, die USA, verwirklicht. Vor dem Hintergrund, dass sie ihren eigenen Produktions- und außerdem Finanzapparat intakt gehalten hatten, intervenierten die USA unmittelbar, um den anderen Ländern, die aus dem Krieg herausgekommen waren, vor allem in Europa, zu helfen. Das Problem war nicht nur das Zusammenbrechen der Produktion: es war auch das Fehlen von Geld, das den internationalen Austausch stimulieren konnte, oder es den Europäern erlaubt hätte, die eigene Bevölkerung zu ernähren und den Amerikanern, den eigenen produktiven Überschuss zu verkaufen, wo es nur wenige Andere gab, die in der Lage waren zu produzieren. Die USA entschieden also einen Fond einzurichten, um den Nationen zu helfen, die eine Anfrage gestellt hatten (inklusive Russland, das die Einladung aber ablehnte, und die Länder unter seiner Einflusssphäre zwang, dies genauso zu verweigern): der Marshallplan (1947). Die Europäer konnten so in den eigenen Finanzkreisläufen wieder eine ausreichende Masse an Dollars sehen, um von Neuem damit zu beginnen, die Finanz- und Handelsmaschine in Bewegung zu setzen. Der Marshallplan, der vom produktiven Standpunkt aus gesehen einen geringen Impact hatte, war aber von großer Wirkung in zwei anderen Aspekten der Kapitalverwertung. An erster Stelle haben die Amerikaner den großen Teil der entwickelten Länder durch die Hilfen an sich und ihre eigenen Bedürfnisse gebunden, an zweiter Stelle stellten sie den internationalen Kreislauf des Waren- und Kapitalaustausches wieder her, der während des Kriegs sofort einen beachtlichen Rückgang verzeichnet hatte.

Der Marshallplan ist durch die Abkommen von Bretton Woods (1944) vorweggenommen worden, mit denen die USA ihre eigene Herrschaft vom finanziellen Standpunkt aus festigten und die Basis für „Stabilität“ für den Handelsaustausch legten: damit entschied sich, dass der Dollar die weltweite Referenzwährung werden würde (etwas, das natürlich die schon existente produktive und technologische Vormacht der USA festigte) und es wurden alle anderen Währungen der Mitgliedsländer an die US-Währung gebunden, mit festen Wechselkursen; auf seine Weise wurde der Dollar dann zu einem festen Wechselkurs an Gold gebunden, somit wurde das System des Gold Exchange Standard eingeweiht. Gleichzeitig wurden die zwei Institute geschaffen, die als Bulldozer für die imperialistischen amerikanischen Interessen dienen mussten: der IWF und die Weltbank.

Das Finanzwesen in der Nachkriegs-Phase war die konsequente Entwicklung des Systems, welches Lenin Anfang des 20. Jahrhunderts in seiner Arbeit über den Imperialismus analysiert hatte. Das Finanzwesen, das zu Beginn des Jahrhunderts bereits weitgehend monopolistisch und eigenständig war, setzte seinen Kurs fort in Richtung des absoluten Wachstums und der zunehmenden Privatisierung: also in Richtung einer starken „Autonomisierung“ vom produktiven Kapital. Die Vergrößerung des kapitalistischen Systems in der Welt ging somit einher mit der offensichtlichen Hegemonie des Finanzwesens über das Produktionswesen und dem kontinuierlichen Entstehen und sich Vergrößern der Monopole – für jeden produktiven Sektor – was keine Neuigkeit sondern die natürliche Entwicklung des kapitalistischen Systems darstellte, was schon von Marx Mitte des 19. Jahrhunderts analysiert wurde. Im zweiten Teil dieser Einführung zur Arbeit der nächsten Jahre werden wir sehen wie, parallel zur Entwicklung des Finanzwesens auch die Bankensysteme immer mehr den Weg zu einer klaren Autonomie vom politischen und produktiven System gehen.

Die Politik, Dollars zu drucken und in den europäischen und japanischen Kreislauf einzuführen, und dann auch in den asiatischen, hatte sicherlich den Vorzug, eine größere Geschwindigkeit des investierten Kapitals zu begünstigen und gab damit den Raum für einen Kreislauf, der anfangs meisterhaft war… aber nur anfangs. Die Probleme begannen als direkte Folge des ökonomischen Wachstums der Länder: solange die Investitionen und die Dollars de facto kontrolliert wurden durch ihr natürliches Zurückströmen in den Ursprungsort dank der enormen Nachfrage nach amerikanischen Waren (häufig die einzig vorhandenen auf dem Weltmarkt) war die Kontrolle über die Ausdehnung und das Schrumpfen der Geldbasis unerschütterlich unter amerikanischer Kontrolle; aber als auf diese Anfangsphase noch eine erneuerte Produktionskapazität der klassischen Kapitalismen folgte (und auch von einigen weiteren aufsteigenden Kapitalismen), gerieten die in den internationalen Kreislauf eingeführten Dollars außerhalb der US-Kontrolle, in dem Maß wie sie zwischen den Ländern ausgetauscht wurden. Ohne weitere Kontrolle auf die Währungsbasis und letztlich dazu gezwungen, auf ihre Weise Geld für den Erwerb von Waren auszugeben, haben sich die USA in der ungemütlichen Position des obersten Verwahrers von Zahlungszertifikaten auf Goldbasis wiedergefunden. Tatsächlich enthielt jeder Dollar für seinen Besitzer, formal, ein reales Recht auf einen Goldanteil im offiziellen Austausch (eine Dynamik, die als „Frage der Eurodollars“ in die Geschichte einging). Jedes Land, soweit es einen Überschuss an Dollars für die eigenen Bewegungen auf dem Weltmarkt hatte, konnte sich mit realem Geld, und zwar mit Gold eindecken, direkt in Fort Knox, dem „zentralen Geldsafe“ der Amerikaner. Und teilweise ist dies auch in solchem Maße passiert, dass die USA zu der Entscheidung gedrängt wurden, das Goldsystem abzuschaffen und 1971 die Inkonvertibilität des Dollars zu erklären. Es ist kein Zufall, dass das Jahr des Endes der Konvertibilität des Dollars in Gold auch mit dem Jahr der ersten negativen Werte in der Handelsbilanz der USA zusammenfällt, die sich das erste Mal (aber ab dem Moment blieben die Dinge so bis in unsere Tage) in Netto-Importeure von Waren transformierten, nachdem sie viele Jahrzehnte lang Netto-Exporteure waren.

Mit dieser Entscheidung ist ein jahrhundertelanger Prozess endgültig zum Ende gekommen: die Dematerialisierung des Geldes. Nun hatte die Währungsbasis kein direktes Verhältnis mehr mit Geld-Gold, sondern ihr Preis wurde auf Basis des Vertrauens festgelegt, das die Finanzmakler und im Allgemeinen die Unternehmer und die Staaten dem generellen ökonomischen System des Landes entgegenbringen, das die neue Währung ausgibt. Das, was am wichtigsten ist, ist dass jetzt die Währungsbasis, mit welcher der internationale Austausch zu verwirklichen ist, nicht mehr durch die Fessel der Parität von Gold-Waren gehemmt war, per Definition beschränkt durch die effektive Fähigkeit das Gold zu produzieren, und nicht abhängig von der Notwendigkeit der Zirkulation. Jetzt konnte die Währungsbasis liquide den Bedürfnissen der Produktion folgen, die enorm anwuchsen mit dem absoluten Wachstum der produktiven Basis und mit dem relativen Wachstum der Produktivität. Das System war demnach besser geschmiert, als es in der Vergangenheit möglich war. Die Entwicklung des Geldes war angemessen und adäquat geworden zu einer Notwendigkeit von größerer Geschwindigkeit und Liquidität in der Zirkulation und Realisierung der Waren auf dem Markt. Gleichzeitig brachte diese Entwicklung eine Reihe von widersprüchlichen Konsequenzen mit sich: mit einer beschleunigten Produktion und mit einem Wachstum des internationalen Finanzsystems korrespondiert außerdem ein enormes Wachstum des internationalen Handelsaustausches, auch dank neuer Technologien, die die Transportkosten auf weltweiter Ebene zum Einsturz brachten.

Die Demografische Frage

Es ist notwendig, den Blick auf einen letzten Aspekt zu richten, um die Entwicklung des Kapitalismus in den Folgejahren des Zweiten Weltkrieges zu verstehen: die demografische Frage, die Marx im Übrigen schon im dritten Buch des Kapitals gut eingeordnet hat. In anderen Worten, zur Überproduktion von Kapital und Waren, die sich Mitte der 70er offenbarte, gesellte sich (das eine konnte es nicht ohne das andere geben) die Überproduktion von Proletariern, Tochter der demografischen Explosion, die die Welt überrollte: in Asien, zuallererst, aber auch im „leeren Kontinent“ (natürlich aus der Sichtweise des Kapitals: Afrika), der heute nicht mehr besonders leer ist. Während es zum Ende des 2. Weltkrieges noch circa zwei Milliarden waren, die auf dem 3. Planeten des Sonnensystems herumtrampelten, sind wir heute mehr als sieben und in ständiger Vermehrung.

Natürlich hatte das abnormale Anwachsen des Proletariats, zumindest anfangs, die Funktion, sowohl die Abschöpfung des absoluten Mehrwerts zu stimulieren, der – wie Marx erklärt – unabdingbar an die absolute Anzahl der beschäftigten Arbeiter gebunden ist, als auch zur Schaffung einer enormen industriellen Reservearmee, die tendenziell helfen wird, den Anstieg des totalen und weltweiten variablen Kapitals [Löhne] einzudämmen und letztlich wird es nicht wenig dazu beitragen, die zu ernährenden Münder zu vermehren: oder die Mindestbasis des Weltmarktes enorm zu vergrößern. Aber wir werden in der Zukunft die Gelegenheit haben, um diesen Aspekt, wie die anderen, die bis hierhin in einer grundsätzlichen Linie behandelt wurden, besser zu auszuführen.

Die synchrone Überproduktionskrise Mitte der 70er

Wie wir gesehen haben, haben die technologischen Verbesserungen, die Innovationen auf dem Gebiet der Finanzen und des Handels, aber vor allem die Zerstörung des Produktionsapparates (und demnach des konstanten Kapitals) durch das Werk des 2. Weltkrieges, die enorme Expansion der weltweiten Ökonomie erlaubt. Aber (nochmals Marx): die selben Aspekte, die es dem Kapital erlauben zu expandieren, sind die Basis für seine Krisen. Es war so, dass mit dem Erreichen der Mitte der 70er das weltweite kapitalistische System erneut in eine Überproduktionskrise fiel: nämlich von generellen produktiven Zuwächsen von 10% zu einem Einsturz der Zuwächse in allen am meisten fortgeschrittenen Ländern. Es gibt zwei Phänomene, die größtenteils zu diesem Stillstand beitragen: an erster Stelle, die Faktoren, die zu einer größeren Produktivität geführt haben, haben sich schon verallgemeinert und konnten in Folge nicht länger als Gegentendenzen fungieren; an zweiter Stelle benötigte die enorme Produktivität der vergangenen 30 Jahre eine Vergrößerung des Weltmarktes, unmöglich mit der selben Geschwindigkeit zu realisieren, mit der sich die Produktion ausweitete.

Ein letzter Aspekt, auch dieser ein Ergebnis der Überproduktionskrise, war dann die Konfusion auf dem Gebiet der Währung: das Ende der Konvertibilität des Dollars eröffnete für das weltweite Finanzsystem eine Periode von maximalen Schwankungen, von denen der Ölschock der 70er und die in dieser Periode immer hohe US-Inflation nur oberflächliche Erscheinungen waren. Es haben sich die Effekte der Gegentendenzen erschöpft, wie von uns oben beschrieben, die Dynamik des tendenziellen Falls der durchschnittlichen Profitrate konnte erbarmungslos wieder beginnen. Wie wir in den Artikeln gesehen haben, die in den letzten Jahren in unserer Presse veröffentlicht wurden, ist der tendenzielle Fall der durchschnittlichen Profitrate gut sichtbar durch die Untersuchung der dargestellten Daten: nach 1975 trat der Rückgang der Wachstumsraten wieder in Kraft, sowohl in der Produktion als auch im Außenhandel und in den Investitionen des Kapitals ins Ausland. Die Frage, die es zu beantworten gilt ist: wie war es möglich, dass der Kapitalismus diese hundertste Überproduktionskrise überlebte? Um diese Frage zu beantworten, ist es notwendig, drei Phänomene zu untersuchen, die sich seit Mitte der 70er entwickeln: es gab neue Technologien und insbesondere die Explosion der Informationstechnologien; die Krise und der anschließende Zusammenbruch des „Sowjet-“blockes; Beginn des Ausnutzens des Finanzhebels, der bis zur Mitte der 70er nur zu einem minimalen Teil ausgeschöpft wurde. Die Informationstechnologien erlaubten eine generelle Verringerung des Wertes der Produktionsmittel und eine Ersparnis an variablem Kapital; der Zusammenbruch des russischen Imperiums öffnete dem Westen neue Märkte, die bis dahin versperrt waren; schließlich wurde der Finanzhebel (und wird es noch heute) bis zu Exzess und darüber hinaus ausgenutzt: seine Ausnutzung und sein scheinbarer Erfolg waren derart, dass, für die folgenden 30 Jahre, der ganzen Welt falsche Hoffnungen gemacht wurden, von der Möglichkeit des Kapitals, sich von der Produktion zu emanzipieren – die hartnäckige kleinbürgerliche Illusion, Geld nur aus Geld zu generieren. All diese Themen, und noch weitere, werden in der künftigen Arbeit über die Entwicklung des Kapitalismus ausgeführt werden.

International Press

 

                    

            

 

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